Über den Verein

Alles Gute kommt von oben! Die Spatzen auf der Regenrinne des Geräteschuppens unterm Wasserturm pfiffen es laut hinaus – Burg hat einen neuen Verein!

Am Freitagabend gründete sich am Fuß des Burger Wahrzeichens der „Wasserturm Burg e. V.“ Sieben Gleichgesinnte sind notwendig für eine Vereinsgründung, 18 Gründungsmitglieder kamen und hoben den Verein auf dem höchsten Punkt der Stadt, dem Weinberg, aus der Taufe. „Ich freue mich, das die Projektgruppe jetzt zum Verein zusammengewachsen ist, die Arbeit des letzten Jahres hat sich ausgezahlt“, staunt Marko Herbort aus Burg. Er wurde einstimmig zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. Sein Stellvertreter ist Stefan Kiel. Die Hand auf dem Geld hat Heiderose Buck und Uwe Nowack schreibt zukünftig an der Chronik oder an dem Protokoll. Andrea Czonga wird als Beisitzer den Vorstand komplettieren. Detlef Schink und Eleonore Schwarzlose prüfen die Kasse. In der beschlossenen Satzung wurde festgelegt, dass der Monatsbeitrag einen Euro beträgt. Jedes Mitglied kann den Beitrag freiwillig aufstocken.

Der „Wasserturm Burg e. V.“ geht aus der Projektgruppe „Wasserturm“ hervor. Vornutzer des Geländes war der Burger Heimatverein. Er verwendete die 1902 errichteten Gebäude für Ausstellungen der bunten Burger Industriegeschichte. Als im März 2016 der Heimatverein das Wasserturmareal an den Besitzer, dem Wasserverband Burg, zurückgab, verwaiste das Gelände.

„In der Facebookgruppe „Burger Ansichten“ fanden sich einige Mitglieder, die der Meinung waren, dass man den Turm nicht ungenutzt lassen kann“, führt Herbort aus. Er sagte weiter: „Wir schrieben eine Mail an den Wasserverband, ob wir den Turm als Projektgruppe pflegen und betreiben dürfen. Der stimmte zu und im Oktober trafen sich 16 Frauen und Männer zum ersten Arbeitseinsatz“.

Wenn sich der Hauch des Monumentalen, des historisch Bedeutsamen mit Heimatliebe und Sympathie verbinden, dann werden Ideen geboren. Und die wollen laufen lernen. Am 22. März 2017, zum Weltwassertag, präsentierte sich die Projektgruppe mit ihrem ersten öffentlichen Auftritt über 500 interessierten Bürgern und versetzte diese in Erstaunen. „Der Weltwassertag war unsere Generalprobe ob wir solche Veranstaltungen überhaupt wuppen können“, erinnert sich Torsten Krietsch „Torte“ ein Mitglied der ersten Stunde. Am Ostersonnabend suchten hunderte Kinder Stock und Stein auf dem Gelände nach Ostereiern ab – ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zum Verein. Miteinander arbeiten, zusammen feiern, gemeinschaftlich denken und streiten, das schafft Zusammenhalt. Den werden die „Türmer“ wie sie sich, hochgestimmt, selber nennen, zur Genüge brauchen. Der Verein schreibt sich die Pflege von Kunst und Kultur auf die Fahne. Zusammen mit der Stadt Burg und den Schwestervereinen soll der Tourismus weiterentwickelt und Heimatverbundenheit gefördert werden – ein hehres Leitmotiv. Sieht man doch den Wasserturm schon weit diesseits der Elbe und erringt so die Aufmerksamkeit manchen Radwanderers.

Der Turm, mit seinem weiträumigen Gelände, soll auch als Veranstaltungsort für Musik- und Theateraufführungen dienen. In diesem Anspruch debütierte der Verein schon am letzten Sonnabend. Die Celtic Folk Rock Band „Celtic Chaos“ begeisterte in einem atmosphärisch-rustikalen Konzert mehrere hundert Gäste.

„Als Plattform für Ausstellungen und Präsentationen wollen wir Künstlern und Kulturschaffenden die Möglichkeit bieten ihre Arbeiten zu zeigen“, sagte Uwe Nowak „Ganz bewusst haben wir den Zweck und die Ziele des Vereins weit gefasst – wir wollen die ganze Spannbreite der Kultur abbilden. Wir wollen Vielfalt.“, merkte Kerstin Auerbach Mitinitiator und ebenfalls Gründungsmitglied der ersten Stunde, an.

Für 2017 sind noch sechs Veranstaltungen zu meistern. Im Mai wird ein Open Air Kino stattfinden, Anfang Juni folgt eine Benefiz-Veranstaltung mit „Klassik am Turm“. Es folgen das Treffen der Gruppe „Burger Ansichten“ und der „Tag des offenen Denkmals“.

Mit der Teilnahme an der Museumsnacht im Herbst geht es in den Endspurt. Abschluss und Krönung wird der Weihnachtsmarkt am 17. Dezember sein. Vorsitzender Marco Herbort ist sichtlich stolz auf die Entwicklung. Erst eine Interessengruppe und jetzt e. V. Mit seinen 46 Jahren ist der gelernte Maschinenbauer Kopf und Stimme des Vereins: „Das ich gewählt worden bin macht mich stolz.“ sagte Herbort, „Doch am meisten beeindruckt mich, das die überdauernde Begeisterung der Projektgruppe, sodass wir die Vereinsgründung nur eine Frage der Zeit war. Das spornt mich an.“ Der leidenschaftliche Tischtennisspieler und Heimatfreund Herbort ist eine echte Burger Pflanze: „Ich bin hier aufgewachsen, habe hier meine erste Liebe gefunden, eine Familie gegründet. Der Wasserturm war dabei für mich wie ein Anker – er lies mich meine Kreise ziehen – nicht weit, aber tief“.

Das hält Herbort nicht davon ab in die Ferne zu blicken. Wassertürme stehen auch in anderen Städten, anderen Ländern Mitteleuropas. Die Nutzbarmachung von Wasser für Mensch und Wirtschaft ist Teil der Industrie- und Kulturgeschichte. Darum wird der Verein Kontakte zu anderen Vereinen knüpfen, die sich dem Erhalt und der Pflege von derartigen Baudenkmälern verschrieben haben. Erste Tuchfühlung gibt es mit dem Salbker Wasserturmverein zu Magdeburg. Anfang Juni werden sich die Abordnungen beider Vereine im Salbker Vereinshaus treffen und einander kennenlernen.

Stefan Kiel als frisch gekürter stellvertretender Vereinsvorsitzender sagt: „Wir möchten im Burger Vereinsleben mit dem „Wasserturm Burg e. V.“ andere, neue Akzente setzen. Unsere Verbundenheit, unser Engagement gilt den Menschen der Stadt und der Region. Stolz, offen und im Verbund mit den anderen Türmen – das hat Symbolkraft.“

Print Friendly, PDF & Email